21.03.2019
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Offener Brief zur Schulentwicklungsplanung

Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck, den 07.03.2019

An das

Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt
Herrn Minister Tullner
Turmschanzenstraße 32
39114 Magdeburg
 

 

Offener Brief
Bedenken zu den Änderungen der Verordnung zur Schulentwicklungsplanung 2014 und der Anfangsklassenverordnung 


Sehr geehrter Herr Minister Tullner,

die Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck sowie die Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land möchten Ihnen hiermit ihre tiefgreifenden Bedenken zu den Änderungen der Verordnung zur Schulentwicklungsplanung 2014 und der Anfangsklassenverordnung übermitteln. 


Wie das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt auf ihrer Homepage trefflich formuliert hat: „Der ländliche Raum mit seinen vielfältigen Kulturlandschaften ist prägend für Sachsen-Anhalt und identitätsstiftend für seine Bewohner. Darüber hinaus erfüllt er die Anforderungen an einen Lebens-, Arbeits- und Erholungsraum für die Menschen, die in ihm leben. Angesichts der demografischen Entwicklung ist die weitere Stärkung der ländlichen Gebiete als Wirtschaftsstandort sowie Arbeits-, Lebens-, Erholungs- und Kulturraum besonders wichtig.“


Dabei hat jede Region in Sachsen-Anhalt mit unterschiedlichen Entwicklungsproblemen zu kämpfen, um dem demographischen Wandel entgegenzustehen und zukunftsfähig zu bleiben. Die Altmark, zu der unsere beiden Verbandsgemeinden gehören, zählt mit ca. 43 Einwohnern/ km² mit zu den dünn besiedelsten Regionen des Landes. Geprägt ist das Gebiet durch viele kleine Ortschaften, die seit Jahren um die Sicherstellung der Daseinsvorsorge kämpfen. Der demographische Wandel ist dabei stets ein großes Thema. Anstrengungen, wie zum Beispiel mit dem „Rückkehrertag Altmark“, junge Familien und qualifizierte Fachkräfte wieder in die Region zu locken, wären vergebens, wenn es uns nicht möglich ist, die vorhandene Infrastruktur zu erhalten. Dabei spielt insbesondre die Betreuung und Bildung unserer Kinder eine große Rolle. 

 

 

Daher sehen wir es als zentrale Aufgabe unsere mittlerweile wenigen Schulen in unseren Regionen zu erhalten! „Kurze Wege für kurze Beine“ war und ist immer das Motto. Weite Strecken bedeuten nicht nur eine Belastung für die Eltern, sondern insbesondere auch für unsere Kinder. 
Die Zukunft des Landes, unserer Region ist der Nachwuchs, mit dem eine gute und qualitative hochwertige Bildung einhergehen sollte. Schulen prägen in unseren Ortschaften das soziale Leben und sind nachhaltig identitätsstiftend. Es handelt sich um einen Verlust an Lebensqualität und um eine deutliche Minderung der Attraktivität der Region für Zuzug, wenn es immer weniger Schulen geben sollte. Und genau das ist Ziel dieser Verordnung.


Als Verbandsgemeinden sehen wir uns nicht in der Lage, die erhöhten Anforderungen der Verordnung zur Schulentwicklungsplanung erfüllen zu können, unsere Schulen nachhaltig zu stärken und eine gute Qualität des Unterrichtes zu gewährleisten. Zu dem widersprechen die Regelungen dieser Verordnung dem politischen Ziel der Landesregierung, die ländlichen Regionen zu unterstützen und die vorhandenen Schulstandorte zu stabilisieren.


Wir fordern daher, folgende Punkte zu berücksichtigen: 

 

  1. Es gilt zu ermöglichen, dass den nach bisher geltenden Regelungen bestandsfähigen Schulen (60 Mindestschüler) ein Nebenstandort zugeteilt werden kann. Der Gedanke, die ländlichen Regionen mit der Möglichkeit zur Bildung von Verbundschulen zu unterstützen, wobei ein Hauptstandort 80 und der Nebenstandort 40 Mindestschüler aufweisen muss, ist sehr weit hergeholt. Demnach müssen in Haupt- und Nebenstandort zusammen gerechnet mindestens 120 Schüler vorgehalten werden; gleichfalls müssten 2 selbständige Grundschulstandorte insgesamt 120 Mindestschüler aufweisen.
  2. Die Mindestjahrgangsstärke in den Anfangsklassen muss in den ländlichen Regionen bezogen auf den Hauptstandort einer Verbundschule bei 15 Kindern liegen.
  3. Zur qualitativ hochwertigen Absicherung des Unterrichtes am Nebenstandort darf der Sockelbetrag der Lehrerstundenzuweisung für diesen nicht abgeschmolzen werden, um auch in Krankheitsfällen von Lehrkräften zu 100% abgesichert zu sein. Hier sollte das Land aus den negativen Erfahrungen der Regelungen zu Außenstellen gelernt haben!
  4. Beförderungsleistungen während des Unterrichtstages zwischen Haupt- und Nebenstandort  sind bei kurzfristigen bzw. zeitweisen Schulzusammenlegungen, z.B. Projekttagen von mind. 3 Tagen Dauer, durch das Land oder den Landkreis zu tragen
  5. Darüber hinaus muss weiterhin die bestehende Möglichkeit des Unterschreitens für besondere Lagen gewährleistet werden (§ 4 Absatz 2 SEPl-VO 2014; „90 km²-Regelung“).

 

Im Sinne der Erhaltungs- und Qualitätssicherung unserer Bildungseinrichtungen, für die Kinder, Eltern und Familien bitten wir Sie daher, die Änderungen der Verordnungen zu überdenken.

 

Stehen Sie für eine ausgezeichnete Bildungsqualität und für einen zukunftsfähigen ländlichen Raum, der weiterhin als attraktives Lebens-, Wohn- und Arbeitsumfeld erhalten wird!

 

Mit freundlichen Grüßen

Schernikau