„Haltung zeigen!“ – Internationale Wochen gegen Rassismus 2022

vom 14.-27. März 2022

„Haltung zeigen“: Aufruf zur Mitmachaktion in Kitas, Schulen und Freizeitzentren

„Haltung zeigen“ lautet 2022 das Motto der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ vom 14. bis zum 27. März unter Schirmherrschaft von Landrat Patrick Puhlmann. Ankerpunkt dieser jährlichen Initiative ist der „Internationale Tag für die Beseitigung rassistischer Diskriminierung“ der Vereinten Nationen am 21. März 2022. Überall in der Welt setzen sich Menschen während der Aktionswochen verstärkt mit der Thematik auseinander, organisieren öffentliche Veranstaltungen und solidarisieren sich mit Betroffenen.

Das gilt auch für den Landkreis Stendal. Gemeinsam mit der Kreisverwaltung rufen die Freiwilligen-Agentur Altmark e.V., das Netzwerk RESPEKT und KinderStärken e.V. junge Menschen dazu auf, sich die Frage zu stellen: „Wie zeigst DU Haltung?“. Kindertagesstätten, Schulen, Horte und Freizeiteinrichtungen sind eingeladen, während der Antirassismus-Wochen gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen Antworten auf diese Frage zu finden. Worte, Sätze und Bilder aus ihren Aktivitäten stellen sie anschließend für Plakate zur Verfügung, die öffentlich gezeigt werden sollen.

Die Video-Botschaft von Landrat und Schirmherr Patrick Puhlmann in voller Länge

Landrat Patrick Puhlmann:

„Gemeinsam möchten wir als Landkreis während der ‘Internationalen Wochen gegen Rassismus‘ ein deutliches Zeichen setzen. Ein Ausrufezeichen gegen Vorurteile, Alltagsrassismus und Diskriminierung. Und jeder Einwohnerin, jedem Einwohner wollen wir damit ins Gedächtnis rufen: In einem friedlichen demokratischen Miteinander ist kein Platz für Ausgrenzung.

Oft können auch nur kleine Gesten für die Opfer von Diskriminierung eine lebenslange Stigmatisierung bedeuten. Und das fängt oftmals im Kindesalter an. Für sie existieren in der Folge viele Hürden zu einem gleichberechtigten Zusammenleben. Diese Hürden sind für Nichtbetroffene oft unsichtbar. Zeigen wir, dass gleichberechtigtes Zusammenleben im gesamten Landkreis Stendal, wie auch in der ganzen Bundesrepublik, möglich ist.

Es geht auch darum, Diskriminierung, Alltagsrassismus und Vorurteile überhaupt sichtbar zu machen.
Sich schützend vor die Opfer stellen, Diskriminierungspotentiale schon im Keim erkennen und abbauen.

Toleranz und gegenseitigen Respekt drohen wir gerade in diesen Wochen auch an vielen anderen Stellen zu verlieren. In unserer Gesellschaft geht es nicht immer friedlich zu. Das spüren wir alle zurzeit ganz deutlich. Wie schnell die Frage der Gleichbehandlung Themenfelder entert und damit Menschen entzweit, die eigentlich Freunde sind, gut miteinander auskommen – das zeigt sich am Umgang mit Corona. Konkret an der Frage: geimpft oder nicht geimpft.

Erst letzte Woche haben mir zwei Leute erzählt, dass sie es unter Kollegen schwer hätten; eben weil sie geimpft sind. Es fallen wohl Bemerkungen wie ‘dumme Schafe‘ oder ‘willige Versuchskaninchen‘ und Schlimmeres. Warum muss man Leute ausgrenzen, weil sie sich selbst schützen wollen? Andererseits können wir auch nicht ganz von der Hand weisen, dass auch Ungeimpfte immer wieder in genau die gleichen Situationen kommen, wo sie ausgegrenzt werden: ‘Du schleppst uns hier die Seuche ein‘ zum Beispiel. Dabei kann diese Person doch wohl auch für sich gute Gründe haben, warum sie sich zumindest bisher nicht hat impfen lassen.

Und so haben wir alle unheimlich viel auszuhalten, unabhängig vom Impfstatus. Und ich frage mich: Warum eigentlich? Woher diese Respektlosigkeit vor meinem Gegenüber, warum diese Intoleranz? Aus meiner Sicht müssen Regeln gelten, ohne dass gleich von Diktatur gefaselt wird und aus meiner Sicht ist völlig klar: Ungeimpfte gehören genauso zu unserer Gesellschaft wie Geimpfte. Aber auch umgekehrt ist von Ungeimpften zu akzeptieren, dass es auch Menschen gibt – und zwar eine große Zahl, die geimpft sind, weil sie es für richtig halten. Auch daraus ergibt sich unser Auftrag im Rahmen der Antidiskriminierungs- und Antirassismus-Wochen.

Lassen Sie uns spaltende Tendenzen in jedem Bereich des Alltags sensibel wahrnehmen. Befähigen wir junge Menschen, tolerant mit Unterschieden umzugehen und Diskriminierung entgegenzutreten.“

Seit April 2019 können, gern ebenso anonym, Vorfälle von Diskriminierung jeder Art dem Netzwerk RESPEKT in verschiedenen Anlaufstellen und direkt unter www.respekt-mitteilen.de gemeldet werden. „Diese Mitteilungen zeigen nur einen Teil des diskriminierenden Geschehens im Landkreis Stendal. Viele leiden still unter verletzenden und ausgrenzenden Äußerungen oder sprechen nur mit vertrauten Menschen darüber“, sagt Netzwerkkoordinatorin Judith-Navina Liban. So entsteht das realitätsferne Bild in der Öffentlichkeit, dass Diskriminierung im Landkreis nicht existent ist. Auch vor Kindern macht rassistische Abwertung nicht Halt. Zitat aus einer Mitteilung: „Zwei Erwachsene haben Schulkindern auf dem Heimweg nachgerufen: Geht doch dahin, wo ihr herkommt – wir wollen euch hier nicht haben.“

Koordiniert wird die Mitmachaktion zu den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ von der Freiwilligen-Agentur Altmark e.V. „Wir möchten Kinder und Jugendliche anregen, darüber nachzudenken, was verkehrt läuft und sie dafür sensibilisieren, was sie selbst tun können“, sagt David Messner. Er und seine Kollegin Dörthe Müller sind  Ansprechpartner*innen für Fragen unter der Telefonnummer (03931) 56 56 320. Beiträge für die Plakate gehen an info@fa-altmark.de oder per Post an Freiwilligen-Agentur Altmark e.V., Hallstraße 49, 39576 Stendal. Einsendeschluss ist der 31. März 2022.

Kostenloses Informationsmaterial gibt es hier:

https://www.bildungsserver.de/rassismus-als-thema-im-schulunterricht-12363-de.html