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Zimmerleute auf der Walz: Tradition und Handwerk in der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck

In einer Zeit, in der moderne Technologien und sich wandelnde Arbeitsbedingungen das Handwerk prägen, haben neun Zimmermänner und Zimmerfrauen Halt gemacht, um ihre Jahrhunderte alte Tradition der „Walz“ in der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck fortzusetzen. Die Walz ist eine Wandertradition für Zimmerleute, die nach Abschluss ihrer Ausbildung auf Reisen gehen, um ihr Handwerk zu perfektionieren und wertvolle Lebenserfahrungen zu sammeln.

Die Zimmerleute, gekleidet in ihre traditionelle Tracht mit Zunfthose, Zimmermannshut und dem symbolträchtigen Wanderstab „Stenz“, sind nicht nur eine imposante Erscheinung entlang der Landstraßen, sondern tragen auch eine jahrhundertealte Handwerkstradition weiter. Auf der Walz verlassen die Gesellen ihre Heimat für mindestens drei Jahre und einen Tag, reisen zu Fuß oder per Anhalter, und arbeiten bei verschiedenen Handwerksbetrieben, um ihre Fähigkeiten zu vertiefen.

In der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck tauschten sich die Zimmerleute mit dem Verbandsgemeindebürgermeister René Schernikau über Traditionen sowie aktuelle Herausforderungen im Handwerk aus.

Die Walz dient nicht nur dem beruflichen Fortschritt, sondern auch dem persönlichen Wachstum. Die Wandernden sind auf ihre eigene Initiative angewiesen, suchen aktiv nach Arbeit und lernen verschiedene Arbeitsweisen und Baustile kennen. Ein zentraler Aspekt der Walz ist das Führen eines Wanderbuchs, in dem die Zimmerleute ihre beruflichen und persönlichen Erfahrungen festhalten. Stempel und Empfehlungen von den Betrieben, bei denen sie gearbeitet haben, sind darin verewigt und dokumentieren ihren beruflichen Werdegang. Dieses Wanderbuch wird zu einem wertvollen Dokument, das ihre Fähigkeiten und ihre Reise durch die verschiedenen Stationen ihrer Walz widerspiegelt.

Wissenswertes über die Walz
Die Zimmerer auf der Walz sind Teil einer alten Handwerkstradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Bei dieser Wanderschaft verlassen die Zimmerergesellen nach ihrer Ausbildung für mindestens drei Jahre und einen Tag ihre Heimat, um bei verschiedenen Handwerksbetrieben zu arbeiten und ihre Fähigkeiten zu vertiefen. Während dieser Zeit gelten zahlreiche Regeln, darunter die Verpflichtung, sich ihrem Heimatort nicht näher als 50 Kilometer zu nähern, unabhängig zu leben und auf öffentliche Verkehrsmittel zu verzichten.

Die Zimmerer auf der Walz tragen eine traditionelle Tracht, zu der unter anderem der Zimmermannshut, die Zunfthose und der „Stenz“ als Wanderstab gehören. Die Wanderschaft ermöglicht es ihnen, unterschiedliche Arbeitsweisen und Baustile kennenzulernen, wobei sie von Betrieb zu Betrieb ziehen, und ihre Dienste anbieten. Während ihrer Reisen führen sie ein Wanderbuch, das ihre beruflichen und persönlichen Erfahrungen dokumentiert.

Die Walz hat nicht nur einen beruflichen, sondern auch einen persönlichen Wert. Zimmerergesellen lernen, selbstständig Entscheidungen zu treffen, Herausforderungen zu bewältigen und entwickeln ein Gefühl der Selbstverantwortung. Die spezielle Walzkleidung, einschließlich des Zimmermannshuts und der Zunfthose, trägt verschiedene Symbole, die die Zugehörigkeit zur Handwerkerzunft und die Arbeitszeit repräsentieren.

Die Frage nach der Zeitgemäßheit der Zimmerer-Walz ist ambivalent. Traditionell gesehen bewahrt sie das Wissen, fördert den Austausch zwischen Betrieben und Regionen sowie die kulturellen Werte des Handwerks. In einer modernen Perspektive könnten jedoch die veränderten Bedingungen im Handwerk und die heutigen Möglichkeiten der Technologie und Mobilität die Walz als weniger relevant erscheinen lassen. Die Beurteilung hängt von individuellen Werten, der Bedeutung von Traditionen und der Dynamik des Handwerks ab. Trotzdem bleibt die Walz für die Zimmerergesellen eine einzigartige und lohnende Erfahrung.